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Dienstag, 9. November 2004

“Nicht genug Soldaten da? Na und – wo ist der Photoshop?”

Ein schöner Artikel - auf Telepolis gefunden, von Wolf-Dieter Roth geschrieben:

George W. Bush spricht in Wahlkampfspot vor Klonen

Je mehr Zuhörer sich zu einer Wahlkampf-Rede um den jetzigen US-Präsidenten drängeln, desto beeindruckender. Manchmal scheint der Andrang aber gar nicht so beeindruckend zu sein, wie es dem PR-Team von Bush genehm ist. Nun hat die demokratische Partei ihren Gegner beim Mogeln ertappt.

In einem 60 Sekunden langen Fernseh-Wahlkampfspot für George W. Bush ist in der 45. Sekunde vier Sekunden lang ein Bild von ihm zu sehen, bei dem in einer Versammlung mit Soldaten spricht. Bei genauerem Betrachten des Schnappschusses zeigte sich jedoch, dass mehrere der Soldaten identische Gesichter haben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um das Ergebnis des neuesten Experiments der US-Armee, nämlich um das erfolgreiche Klonen von Soldaten, sondern um eine plumpe Bildfälschung: Es liegt nahe, dass das Foto manipuliert wurde, um eine größere Menschenmenge zu simulieren.

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“Irgendwie schauen sie alle gleich aus…”

Das Wahlkampfteam des demokratischen Kandidaten John Kerry ist empört und forderte daraufhin am Donnerstag, Bushs Kampagne müsse “die falsche Werbung unverzüglich zurückziehen”. “Wenn sie in einer Werbung nicht die Wahrheit sagen, werden sie auch sonst nie die Wahrheit sagen”, sagte Kerrys Kampagnenleiter Joe Lockhart. Der manipulierte Wahlkampfspot sei “zutiefst unehrlich und beleidigt die Intelligenz des amerikanischen Volkes”. Dass der manipulierte Wahlspot “Whatever it takes” ("Was auch immer getan werden muss") heißt, ist für die Demokraten pure Ironie, wenn bereits offensichtlich solche Tricks notwendig seien, um die Wahl zu gewinnen.

Bushs Kampagnenleiter Ken Mehlman sprach auf CNN dagegen von einem “Bearbeitungsfehler in der linken unteren Ecke des Fotos”. Der Fehler liegt dabei offensichtlich darin, dass der Schwindel aufgeflogen ist. Mehlmanns Begründung: Das Foto sei bearbeitet worden, weil das Rednerpult des Präsidenten und der Präsident selbst mehrere Leute verdeckt habe. Man hat also eigentlich George W. Bush aus dem Bild herausoperiert und an seiner Stelle einige Soldaten in das Bild eingefügt. Oder genauer gesagt, dieselben “Mustersoldaten” gleich mehrere Male.

Künftig solle die unbearbeitete Version des Fotos in dem Spot “Whatever It Takes” gezeigt werden, kündigte Mehlman an. Oder aber eine besser gefälschte.

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Sonntag, 7. November 2004

Michael Moore rät von Selbstmord ab

Der US-Dokumentarfilmer Michael Moore, der leidenschaftlich gegen die Wiederwahl von George Bush angekämpft hatte, hat seine Landsleute aufgerufen, sich nach dem Erfolg des Präsidenten "nicht umzubringen". Tröstlich sei ja wenigstens, dass Bush nicht noch einmal gewählt werden könne.

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In einer am Freitag auf seiner Website veröffentlichten Erklärung tröstete Moore seine Fans damit, dass Bush zumindest in vier Jahren nicht noch einmal gewählt werden könne, „weil dies die Verfassung verbietet“.
Die Amtszeit des Präsidenten ist in den USA auf maximal acht Jahre begrenzt.
Moore listete eine Reihe von Gründen auf, warum sich seine Mitbürger „nicht die Pulsadern aufschneiden“ sollten.
Trotz Bushs Wahlsieg seien Umfragen zufolge 56 Prozent überzeugt, dass das Land in die falsche Richtung gesteuert
werde, 51 Prozent hielten den Irak-Krieg für einen Fehler, und 52 Prozent seien mit Bushs Amtsführung nicht einverstanden.
Warum Bush dennoch wiedergewählt wurde, vermag sich Moore aber nicht zu erklären: „Versucht nicht, das zu verstehen. Es ist ein Phänomen der Vereinigten Staaten“, schrieb er lediglich.
Mit seiner Erklärung brach der Regisseur ein dreitägiges
Schweigen seit der Präsidentschaftswahl.

[APF]

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